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Mini-Kreuzfahrt Travemünde-Helsinki: Wenn der Eisbär zum Zahnarzt muss

Mini-Kreuzfahrt Travemünde-Helsinki: Wenn der Eisbär zum Zahnarzt muss

Finnlines braucht für die Strecke Travemünde-Helsinki 30 Stunden. Die Überfahrt ist wie eine Mini-Kreuzfahrt: Sauna, Sonnendeck und finnische Riviera

 

Travemünde-Helsinki

Foto: Lisa Schönemann/MORE THAN CRUISES

Foto: Finnlines

Foto: Finnlines

 

von Lisa Schönemann

 

Russische Zaren sind früher zur Kur nach Helsinki gefahren. Das mag jetzt eine Weile zurückliegen – die Faszination der hellen Nächte des skandinavischen Sommers bleibt. Am späten Abend füllen Mittsommer-Reisende das Terminalgebäude in Lübeck-Travemünde. Gegen 23 Uhr gehen die Passagiere für eine Mini-Kreuzfahrt an Bord der Fähre von Finnlines. Blinkende Lichter am Kai. Fernfahrer, die einander zunicken. Man kennt sich auf der Travemünde-Helsinki-Route von MS FINNSTAR, MS FINNMAID und MS FINNLADY.

Ein LKW nach dem anderen verschwindet im Bauch des RoPax-Schiffes. MS FINNSTAR legt erst um 3 Uhr morgens ab, wenn die am selben Tag in Holland geernteten Tomaten ihren Platz im Schiffsbauch verstaut sind. Dazu ein Rudel unruhiger Huskys und die bepackten Bikes der Radfahrer mit ehrgeizigen Zielen im Norden Finnlands. Sollten ein paar Eisbären zum Zahnarzt müssen, dann nehme die finnische Reederei die selbstverständlich auch mit, sagt Kapitän Pekka Stenvik. In sicherer Entfernung zu den  Rennpferden. Gäbe sonst unterwegs gewaltig Ärger.

Die meisten Passagiere schlafen längst, wenn der Erste Offizier die Fracht auf vermeintliche zoologische Randalierer überprüft hat und die Fähre im engen Hafenbecken Richtung Ostsee dreht. Bis auf die „Hundewache“ (die schon seit Seefahrergedenken so heißt), Diensthabende, die von 0 bis 4 Uhr früh auf der Brücke und im Maschinenraum arbeiten, schlafen alle. Lieblingsplatz der Maschinisten auf der FINNMAID in den langen Nächten ist die Schaukel im Maschinenraum.

 

 

Am Morgen können Langschläfer sich Zeit lassen. Die erste Ansage kommt erst um 12 Uhr über die Bordlautsprecher: Brunch bis 13 Uhr. Fisch, Krabben, Karelische Pirroggen, frisch gebackener Hefe-Mohn-Zopf. Die Schüssel mit den Haferflocken bleibt unangetastet. Nach dem Frühstück schalten selbst nachhaltige Smartphone-Victims in den Slow Modus. An der „Bar Navigare“ auf Deck 11 gibt es zwar Wlan, das ist aber – via Satellit – nicht wirklich seetüchtig.

Wenn MS FINNSTAR auf dieser Travemünde-Helsinki-Kreuzfahrt die Höhe der schwedischen Stadt Karlskrona erreicht, ist der beste Platz an Bord einer der klassischen weißen Holzstühle auf dem Sonnendeck. Keine Dauerbeschallung, keine Animation wie auf den großen Kreuzfahrtschiffen. Mitreisende Finnen stellen in ihrer Königsdisziplin, dem Schweigen, neue Rekorde auf. Wer mag, holt sich Eis, Cocktail oder finnisches Lakritz aus der Bar und sucht den Horizont nach Traumyachten ab.

„Die wird sich schon noch wegbewegen“, lehnt sich derweil Kapitän Pekka Stenvik oben auf der Brücke in seinem schwarzen Ledersitz zurück. Ohne auch nur das Fernglas zur Hand zu nehmen, hat er Entfernung und Windverhältnisse eingeschätzt, als eine Segelyacht vor dem Bug der Fähre auftaucht. Kein Handlungsbedarf. Der Yacht-Skipper dürfte dagegen langsam nervös werden und alsbald aus dem Fahrwasser der FINNSTAR verschwinden. Hobbysegler und Frachtschiffer hegen auf der vielbefahrenen Ostsee wenig Sympathie füreinander.

 

Foto: Lisa Schönemann/MORE THAN CRUISES

Foto: Lisa Schönemann/MORE THAN CRUISES

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Foto: Finnlines

 

Für Pekka Stenvik kommt dennoch nur dieses Meer hier oben im Norden in Frage. Er fährt seit seinem sechszehnten Lebensjahr zur See. Früher viel auf Passagierschiffen. „Zu viel Getümmel“, entschied der Kapitän. Also Containerschifffahrt zwischen Istanbul und Montreal. Und schließlich die Fähre FINNSTAR Travemünde-Helsinki mit Platz für immerhin 500 Passagiere. Stenvik ist drei Wochen am Stück an Bord, drei Wochen an Land.

Sein Kollege von MS FINNMAID, Kapitän Mikaeel Ejder, lässt sich in dieser Zeit einen Bart wachsen. Dessen Großvater ist noch auf einem der legendären Großsegler von Gustav Erikson gefahren. Die Ostsee mit ihren Stürmen im Winter, die der ganzjährig fahrenden FINNMAID auf einer Strecke von 611 Seemeilen schon mal sechs Stunden Verspätung eingebracht haben, ist auch sein Element.

Gegen Abend taucht an Backbord in weiter Ferne die schwedische Insel Gotland auf. Das Dinner-Buffet auf der Fähre Travemünde-Helsinki übertrifft sämtliche Erwartungen: Salate mit Lachs oder Meeresfrüchten, verschiedene vegetarische Angebote, Rentierbraten mit Preiselbeeren, frisch gebackener Kuchen und mit Früchten dekoriertes Schokoladeneis.

 

Foto: Lisa Schönemann/MORE THAN CRUISES

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Foto: Lisa Schönemann/MORE THAN CRUISES

Die Stimmung an Deck ist später sehr gelöst und gipfelt in der Frage, ob es sich zu schlafen zu lohnt, bevor in den Morgenstunden die traumhaft schöne Fahrt durch die Schären der finnischen Riviera beginnt.

Am Morgen wird MS FINNSTAR gegen 9 Uhr direkt im Stadtzentrum von Helsinki festmachen.

In eigener Sache: Wir bedanken uns für die Einladung zu dieser Reise. Eine Einflussnahme auf unsere Berichterstattung hat zu keiner Zeit stattgefunden. MORE THAN CRUISES