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QUEEN MARY 2: Das Leben ist eine Baustelle

QUEEN MARY 2: Das Leben ist eine Baustelle

Seit die QUEEN MARY 2 für ihre Schönheitskur das Dock 17 in Hamburg bezogen hat, wuseln 2500 Arbeiter auf den Decks. MORE THAN CRUISES erlebt die Königin der Meere bei Blohm + Voss gänzlich ungeschminkt .

 

Queen Mary 2 im Dock 17 bei Blohm + Voss

Queen Mary 2 im Dock 17 bei Blohm + Voss    (Foto: Peggy Günther)

 

von Peggy Günther

QUEEN MARY 2 – die Grand Dame unter der Haube

Blaumann statt Ballrobe, Estrich statt Teppich, Schnitzel statt Hummer – auf der QUEEN MARY 2 läuft während der Werftzeit einiges anders als im Normalbetrieb. An vielen Stellen verstecken Plastikplanen den gewohnten Glamour. MORE THAN CRUISES hat sich an Bord umgesehen.

„Schnitzel.“ Auf die Frage nach dem derzeit beliebtesten Gericht an Bord der QUEEN MARY 2 antworten Nicholas und Mark Oldroyd wie aus einem Mund. Die Zwillingsbrüder arbeiten als Chefköche an Bord der Cunard-Liner: Nicholas auf der QUEEN MARY 2 und Mark auf der QUEEN VICTORIA. Zurzeit stellen sie sich gemeinsam auf der Blohm & Voss-Werft in Hamburg der Herausforderung, 1.200 Crewmitglieder und 2.500 Arbeiter verschiedener Subunternehmen mit 16.000 Portionen pro Tag zu verköstigen, obwohl die meisten Restaurants gerade umgebaut werden. Aus dem US-Klassiker Todd English wird das Verandah Restaurant und das Buffetrestaurant King’s Court ist derzeit auch nur zu erahnen. Aber: Wo heute die Kreissäge am Fenster steht, sollen in drei Wochen schon wieder Passagiere sitzen. Für den Laien ist das kaum vorstellbar.

 

Die Zwillingsköche

Die Zwillingsköche Nicholas und Mark Oldroyd     (Foto: Peggy Günther)

 

 QUEEN MARY 2 – unplugged

„Es war schon ein wenig traurig, die Abrissarbeiten zu sehen“, gibt Kapitän Oprey zu. „Sie ist derzeit in einem sehr rohen Zustand, ohne all den Glamour, der sie normalerweise umgibt – QUEEN MARY 2 unplugged, sozusagen.“ Aber das Ergebnis werde überwältigend sein. Stammgästen wird sofort die offenere Lobby auffallen – zwei Glasaufzüge wurden entfernt, um für mehr Raum zu sorgen. Der Spabereich wirkt bereits jetzt dank neuer, heller Materialien großzügiger. Dasselbe gilt für die Suiten mit ihren neuen Möbeln und großen Flachbildfernsehern.

 

Die Kabinen fliegen ein

Noch zeigt sich die Königin der Meere ungeschminkt: Im Großteil der Flure laufen die Arbeiter auf dem blanken Estrich, in den Treppenhäusern hallen die Schritte auf Stahltreppen wieder. Mehrere Fußballstadien neuer Teppich werden in der dreieinhalbwöchigen Werftzeit verlegt. Meist geschieht dies in der Nacht, wenn die anderen Arbeiter an Bord schlafen. Am Tag Elf der Werftzeit wurden bereits 300 Container mit neuen Möbeln und Ausrüstungsgegenständen geliefert. Neben einer Aufwertung der bestehenden Kabinen kommen 50 Kabinen neu an Bord. Vorgefertigt in Finnland fliegen sie – bereits inklusive Schminktisch – an einem Kran hängend von der Seite in die Decks. Der Großteil landet in einer neuen Sektion auf Deck 13 und gehört zur mittleren Kategorie Britannia Club. Die restlichen 15 sind auf Alleinreisende ausgelegt und verteilen sich auf die Decks Zwei und Drei. Casino und Fotogalerie schrumpfen für die neuen Unterkünfte.

 

 

 

Als letzter Transatlantikliner heißt die QUEEN MARY 2 auch Passagiere auf vier Beinen willkommen – künftig sogar fast doppelt so viele wie bisher. Bis zu 22 Hunde und Katzen bekommen eigene Unterkünfte auf Deck 13, inklusive Auslauf auf Kunstrasen. Dank Laternenpfahl aus Liverpool und Hydrant aus New York sollen sich die tierischen Gäste wie zuhause fühlen können. Und die Kunst im Tierhotel stammt von niemand geringerem als Karen Katon-Oprey, Tochter von Kapitän Oprey.

 

Keine Flip Flops, bitte

Auch wenn das Schiff eine einzige Baustelle ist, der „White Star Service“ geht weiter. „Willkommen im Queens Grill“, sagen die Bell Boys in ihren roten Uniformen lächelnd und wirken wie aus der Zeit gefallen. Die Arbeiter sitzen im Restaurant auf Stühlen, die zum Schutz in Plastik eingehüllt wurden, werden aber weißbehandschuht bedient. Und am Theatereingang erhalten die Werftbesucher kühle Handtücher. In solchen Momenten erinnern allein die Durchsagen an den Ausnahmezustand: „Bitte tragen Sie keine Flip-Flops auf dem Weg von der Kabine zum Restaurant. Und morgen wird es vorübergehend nur kaltes Wasser geben.“

 

Foto: Peggy Günther

Neue Kabinen für die Queen Mary 2     (Foto: Peggy Günther)