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Die Rote Korsarin: MEIN SCHIFF NUR FÜR MICH

Die Rote Korsarin: MEIN SCHIFF NUR FÜR MICH

Peggy Günther ist CRUISINE, die MORE THAN CRUISES-Kolumnistin – ihr Thema heute: Einen großen Cruiseliner wie ein kleines Luxusschiff genießen? Das geht, wenn man im Hafen einfach mal an Bord bleibt. Cruisine hat es ausprobiert

 

Header-Cruisine

von Peggy Günther

 

Ausflug in die Top 5 der beliebtesten Kreuzfahrt-Vorurteile: „2.500 Passagiere auf einem Schiff – das muss ja schrecklich sein!“ Und man wird angeschaut, als würde man Urlaub machen in einem der Hochhaushotels von Benidorm…

Ehrlich gesagt: Es ist nur eine Zahl. Und man nimmt die anderen Gäste ja nicht als Masse wahr. Zudem kriegen die Schiffs-Architekten den so genannten „Guestflow“ – die Verteilung der Passagiere auf die Decks – sehr gut hin, besonders bei den Neubauten. Auf internationalen Schiffen regeln die Passagiere das ohnehin den landestypischen Vorlieben entsprechend: Briten und Deutsche essen früh am Abend, Italiener und Spanier spät.

Auf größeren deutschen Schiffen hilft antizyklisches Verhalten: Kurz bevor das Restaurant um 18 Uhr öffnet, leert sich der Spa-Bereich wie von selbst – bei offenen Tischzeiten der perfekte Moment, um Fitnessstudio und Sauna zu genießen. Gegen 20 Uhr findet man in den meisten Restaurants einen freien Tisch. Und wer später noch ins Theater will, schlüpft am besten durch die linke Tür, da findet man wegen des in Deutschland geltenden Rechtsfahrgebotes eher einen freien Platz. Kein Scherz.

Das Gefühl, ein Schiff für sich ganz allein zu haben, lässt sich noch steigern, wenn man es wagt, an einem Hafentag einfach an Bord zu bleiben. Das fällt nicht ganz leicht. Schließlich ist man ein ordentlicher deutscher Urlauber, der nimmt alles mit. Aber nach drei Sankt Petersburg-Besuchen – inklusive Kirchen, Palästen, Kanalfahrt und Eremitage – wage ich es einfach und buche keinen Landausflug.

 

Peggy-Mein-Schiff-6-Kolumne

 

Während unter mir rund 100 Busse vor dem Schiff bereit stehen, um nach und nach zu den Landausflügen aufzubrechen, mache ich mir mit meiner kabinen-eigenen Nespresso-Maschine noch einen Kaffee und schaue ein wenig dabei zu, wie sich der Vorplatz leert. 100 Busse, die meinen Tag perfekt machen. Nahezu alle MEIN SCHIFF 6-Gäste sind auf dem Weg in die Zarenstadt. Ich hingegen bleibe an Bord des jüngsten Wohlfühlschiffes – um mich wohlzufühlen.

 

5 perfekte Momente – ein Kreuzfahrtschiff nur für mich

9:00 Uhr

Während die einen beim Frühstück sitzen, warten die anderen auf den Bus für den Landausflug. Und ich bin die einzige Person im 25-Meter-Pool. Es fühlt sich noch exklusiver an als auf einer kleinen Yacht zu planschen. Denn dieser Pool ist wirklich riesig.

13:00 Uhr

Zum Mittagessen im Außenbereich des Buffetrestaurants zwischen mehreren freien Tischen wählen zu können – großartig. Passend dazu gibt es keine Warteschlange an der Wokstation. Und der Crew-Passagier-Schlüssel toppt jedes Luxusschiff.

15:00 Uhr

Vor dem Massagetermin – natürlich mit freier Zeitwahl – allein in der Panoramasauna zu schwitzen, ist ein Erlebnis vergleichbar mit Punkt 1. Das Kind in mir ist versucht, zu testen, ob es ein Echo in der größten Sauna auf See gibt.

17:00 Uhr

Am Nachmittag im schönsten Strandkorb an Deck unbeobachtet einen Eisbecher zu essen und den gemütlichen Rückzugsraum immer nach der Sonne auszurichten, fühlt sich verboten gut an.

20:00 Uhr

Am Abend wird die Pizza in der „Osteria“ innerhalb von Minuten serviert, weil die Stadtmüden im Hauptrestaurant Platz nehmen – und sich ein mehrgängiges Menü servieren lassen. Ich dagegen, wunderbar erholt, bin bereit für das Abendprogramm.

 

So ein MEIN SCHIFF 6-Wohlfühltag nur für mich bietet natürlich DIE Gelegenheit, in Ruhe einige der Zeitschriften der vergangenen Woche zu lesen – ohne geistreiche Kommentare von den benachbarten Sonnenliegen. Aber ich nutze vor allem die Chance, das Schiff von der Kaffeebar tief im Herzen bis hinauf zum blauen Bären im Ausguck ausgiebig zu erkunden.

Ist eigentlich schonmal jemandem aufgefallen, dass die Bilder auf den Kabinendecks jeweils thematisch rund um ein Meer kreisen. Mittelmeer, Nordsee, Atlantik, indischer Ozean…? Wenn man wider Erwarten unterwegs doch einen anderen Gast trifft, lächelt man sich verschwörerisch zu: Wir haben alles richtig gemacht. Heute hatte ich MEIN SCHIFF – nur für mich.

Herzlich,

Ihre Cruisine!

 


Peggy Günther ist eine der wenigen Frauen in der Kreuzfahrt-Branche. Die freie Reisejournalistin kennt mehr als 80 Schiffe – vom kleinen Flusskreuzer bis zum größten Megaliner. Ihre Artikel erscheinen in diversen Publikationen, etwa in der Kreuzfahrtenbeilage der „Zeit“, im „Kreuzfahrt Guide“ und im Fachmagazin „An Bord“. Unter www.cruisine.de veröffentlicht sie ausgewählte Reisetagebücher, Tipps für individuelle Landgänge und die spitzen Kommentare ihres Alter Egos…