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Kreuzfahrt-Highlight: 500 Jahre Le Havre – ein Fest der Kunst

Kreuzfahrt-Highlight: 500 Jahre Le Havre – ein Fest der Kunst

Es ist eine der wichtigsten Hafenstädte Frankreichs. Viele Kreuzfahrtgäste haben sie bei ihren „Metropolen-Reisen“ kennen gelernt. Und festgestellt: schön geht anders. Doch jetzt feiert der Geburtsort des Impressionismus mit viel Pomp sein 500-jähriges Bestehen

 

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Ausfahrt aus der Seine, vorbei an Le Havre und Honfleur. Foto: MORE THAN CRUISES

 

Nein, eine Schönheit ist sie nicht. Errichtet wurde die Stadt vor 500 Jahren als Kriegshafen. Und besondere Fortune war ihr nie beschieden – eine Sturmflut zerstörte den jungen Ort. Kriege setzten immer wieder dem Stadtbild zu. Und doch scheint Le Havre geprägt von unbändiger Lebensfreude. Die Stadt wächst und wächst, und selbst als sie während des Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wird, nutzt sie danach die Chance für einen Neuaufbau nach Plänen des bedeutenden Architekten Auguste Perret. Er schafft ein schachbrettartiges Straßenbild, in Stahlbeton gegossene Gebäude. Und Star-Baumeister Oscar Niemeyer ergänzt das graue Ensemble ein Kulturzentrum in Form eine Joghurtbechers, von den Einwohnern als „Volcan“ verspottet.

Und doch ist die Stadt beliebt. Rund 170.000 Menschen leben hier in einer Architektur, die seit 2005 auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste steht. In diesem Jahr feiern sie 500 Jahre Le Havre. Rund 20 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihre fünfmonatige Jubiläums-Feier kosten. Ein beispielloses Kulturevent ist geplant, zu dem mehr als 60 Künstler eingeladen wurden – sie haben die graue Maus der Normandie in ein Freiluftmuseum verwandelt. Das Programm trägt den Titel: „Ein Sommer in Le Havre“.

Die Künstler arbeiten mit den Wahrzeichen von Le Havre. Die in Berlin lebenden Japanerin Chiharu Shiota dient die Kirche St. Joseph als Inspirationsquelle, ein einzigartiger Bau aus 700 Tonnen Stahl und 500 000 Tonnen Beton. Ihre „Accumulation of Power“ ist ein dichtes Gewirr aus blutroten Fäden. Leicht wie eine Wolke schwebt es in den über 100 Meter hohen Turm hinauf, in dem die mehr als 12.000 Glasfenster der Kirche kulminieren. Rund 350 Kilo Wollfäden waren für das Werk nötig. Zum Ausdruck will die 45-Jährige damit bringen, dass das Gotteshaus ein kollektiver Raum ist, der spirituelle Kräfte und Energien bündelt.

 

 

Le Havre ist Frankreichs zweitgrößter Hafen nach Marseille. Kreuzfahrtschiffe und Transatlantikfrachter aus aller Welt legen an, Millionen von Containern werden hier jährlich umgeschlagen. Darauf spielt Vincent Ganivet mit seiner monumentalen Bogen-Installation aus bunten, mit Zement gefüllten Frachtcontainern an. Ganivets waghalsiges Werk ist eine technische Spitzenleistung, die den Gesetzen der Schwerkraft trotzt.

Auguste Perret (1874-1954) war einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Eine Hommage an ihn und Le Havre, das als sein Meisterwerk gilt, stellt die weiße Beton-Skulptur „Up#3“ von Sabina Lang und Daniel Baumann dar. Ihre schlichten und eleganten Linien ragen am Strand in die Höhe. Sie spielen mit der Form des Rechtecks, der Grundstruktur aller Perret-Wohnhäuser.

Ebenfalls am Strand stehen auch die von Karel Martens gestalteten Badehütten. Von den 713 Hütten, die jährlich zur Sommerzeit aufgebaut werden, hat er 473 mit bunten Streifen verzieren lassen. Doch weder die Breite der Streifen noch ihre Farben sind zufällig. Informationswissenschaftler haben im Auftrag des niederländischen Künstlers die von König Franz I. unterschriebene Gründungsakte der Stadt in ein Codesystem aufgelöst. Das Ergebnis: Eine Palette aus zehn Farben und sechs Streifenformate.

Monet hat sein bahnbrechendes Werk „Impression – soleil levant“ (etwa: Eindruck, Sonnenaufgang) im November 1872 in der Hafenstadt gemalt. Das Gemälde, das als eines der Ursprungswerke des Impressionismus gilt, befindet sich heute in den Sammlungen des Pariser Museums „Marmottan Monet“. Zum 500. Jubiläum kehrt das Chef-d’oeuvre in die Stadt zurück. Und wer sich davor vertieft, wird begeistert feststellen, wie die Kraft der Kunst sogar einer Industrie-Stadt wie Le Havre als flirrende Schönheit darstellen kann.

Vom 9. September bis 8. Oktober wird das Werk im Museum Malraux zu sehen sein, zusammen mit rund 30 Ansichten des Hafens, gemalt von William Turner bis Eugène Boudin. Damit zeigt das Jubiläumsprogramm eine weitere Besonderheit Le Havres – dass es eine bedeutende Sammlung impressionistischer Werke besitzt.

 

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„Impression, Sonnenaufgang“, Claude Monet, 1872, Öl auf Leinwand, 48 x 63 cm, Musée Marmottan Monet, Paris

Text. dpa/MORE THAN CRUISES