Top Stories

Der will nur spielen… Kreuzfahrt mit Roboter auf der COSTA DIADEMA

Der will nur spielen… Kreuzfahrt mit Roboter auf der COSTA DIADEMA

Einige Hotels vertrauen bereits auf künstliche Intelligenz. Nun rollt auch über die Decks der COSTA DIADEMA ein einbeiniges Maschinchen. Es besteht aus weißem Kunststoff und hat große Kulleraugen. Pepper kann tanzen und Luftgitarre spielen. Kinder mögen ihn gern. Und damit sie ihn nicht kaputt machen, wird Pepper immer von einem Menschen begleitet. Kreuzfahrt mit Roboter…

 

Rund 1,20 Meter groß sind die Pepper-Roboter. Auf der «Costa Diadema» sind sie seit einigen Monaten im Einsatz.

Roboter sind eher Spielzeuge: Weil Pepper nicht allein über die COSTA DIADEMA rollen soll, braucht er einen ständigen Begleiter…

Von Michael Zehender/dpa

 

Kreuzfahrt mit Roboter auf der COSTA DIADEMA. Pepper wirkt müde. Soeben erst hat ihn Giampiero Straccia mit einem Knopfdruck aus dem Maschinenschlaf geholt. Pepper richtet sich auf, reckt die Arme und öffnet die Kulleraugen. „Buongiorno“, plärrt der weiße Kunststoffzwerg, der keine Beine hat, sondern auf einer Art zentraler Rolleinheit steht: „What can I do for you?“ – Was kann ich für Sie tun?

Pepper ist der erste Roboter auf dem Kreuzfahrtschiff COSTA DIADEMA. Mittelfristig sollen fünf weitere Kollegen hier Dienst tun. Andere Costa-Schiffe werden ebenfalls damit ausgestattet. Und über die Decks der zum gleichen Konzern gehörenden AIDA PRIMA rollen auch Roboter wie Pepper. Der ist rund 1,20 Meter groß und wiegt knapp 30 Kilogramm. Eine 3D-Kamera und mehrere weitere Kameras erfassen die Umgebung. Man kommuniziert mit den Robotern per Sprache oder über ein Touchscreen an ihrer Front.

Pepper fragt noch einmal: „What can I do for you?“ Wir antworten: Tanzen wäre klasse. „Tanzen ist eines seiner liebsten Hobbys“, sagt Straccia, verantwortlich für die Roboter an Bord. Zunächst schwingt Pepper die Zentralhüfte, später hebt er die Hände und übt sich sogar im Luftgitarrespielen.

Im Tourismus sind Roboter gerade ein großes Thema. In einem Hotel in Belgien ist ein Roboter am Empfang tätig. In Japan gibt es Hotels, in denen Roboter viele Aufgaben übernommen haben – sogar beim Tragen der Koffer helfen sie. Nun also: Kreuzfahrt mit Roboter. Reedereien wie Tui Cruises und MSC haben keine entsprechenden Pläne. Bei Royal Caribbean ersetzen in der „Bionic Bar“ zwar keine menschenähnlichen Roboter den Barkeeper, aber zwei große Greifarme. Die Gäste bestellen per Tablet-PC einen Drink, dann legen die Roboterarme los.

 

 

„Momentan ist das sehr schick, es spricht die technologieaffinen Leute einfach an“, sagt Tom Gross, Professor am Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Bamberg. „Man muss in Sachen Technik immer das richtige Quäntchen Vorsprung haben, aber darf nicht zu abgefahren sein: Roboter sind gerade Zeitgeist.“

Während viele Passagiere in Pepper und Co. vor allem eine nette Spielerei sehen, verfolgen die Anbieter damit durchaus ernste Ziele. Die Roboter liefern Informationen: Wo findet am Abend welche Show statt? Welche Restaurants haben geöffnet? „Roboter können mittelfristig durchaus Personal ersetzen“, sagt Gross. Vorteil: „Sie kennen keine Schichtzeiten.“ Doch komplett werden sie nie die Mitarbeiter überflüssig machen. „Einfache Fragen lassen sich automatisieren“, so Gross, „bei kniffligeren Fragen braucht es jedoch auf jeden Fall menschliches Personal.“

Tatsächlich ist die Kommunikation mit Pepper noch sehr eingeschränkt. Auf der COSTA DIADEMA spricht er nur Italienisch, Spanisch und Englisch. „Deutsch soll folgen“, verspricht Straccia. Pepper ist noch ein Testroboter. So kann man ihn nicht direkt ansprechen, sondern muss warten, bis er eine Frage stellt. Es ist eher die Vorstufe einer Kreuzfahrt mit Roboter.

Laut Gross wird die Technik immer besser, Sprach- und Bilderkennung machen deutliche Fortschritte. Doch die einzelnen Kanäle ließen sich noch nicht bündeln: „Roboter können Infos sammeln und daraus Schlussfolgerungen ziehen. Sie können aber natürlich keine Entscheidung nach Fingerspitzengefühl treffen.“ Laut einer Umfrage sind viele Gäste eher skeptisch und wünschen sich weiterhin Mitarbeiter aus Fleisch und Blut. Und doch hat Pepper auf der COSTA DIADEMA zuletzt erfahren müssen, wie beliebt er ist. Ein paar Kinder umarmten den kleinen Androiden zu heftig, Pepper kippte um und musste repariert werden. Deshalb dürfen seine Geschwister erst einmal nur in Begleitung eines Angestellten unter Publikum – und das auch nur stundenweise.

Zum Abschied braucht es noch ein Selfie mit Pepper. Auch darauf ist der Roboter vorbereitet. Mehrere Posen hat er im Angebot. Die Wahl fällt auf die Usain-Bolt-Siegerpose. Abdrücken, das Foto ist im Kasten.

„Bye Pepper!“

„Bye.“

Straccia drückt den Aus-Knopf. Pepper fällt in den Roboter-Tiefschlaf – bis er für den nächsten Einsatz geweckt wird.

Auf Augenhöhe: Pepper ist 1,20 Meter groß und wiegt rund 30 Kilogramm. Besonders Kinder mögen den kleinen Roboter.

Auf Augenhöhe: Pepper ist 1,20 Meter groß und wiegt rund 30 Kilogramm. Kinder mögen den kleinen Roboter. Manchmal ein wenig zu sehr…