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AIDA SOL: erstes Kreuzfahrtschiff an Hamburger Steckdose

AIDA SOL: erstes Kreuzfahrtschiff an Hamburger Steckdose

Als erstes Kreuzfahrtschiff wird jetzt die AIDA SOL in Hamburg am Cruise Terminal Altona mit Landstrom versorgt. MORE THAN CRUISES über die entscheidenden Steckdosen

 

Modell der Landstrom-Steckdosen.

Innovation in Blau:  Landstrom-Steckdosen. (Foto: MORE THAN CRUISES)

Den Hafen anlaufen, ein Sahne-Anleger-Mannöver hinlegen und die von einer eindrucksvollen Reise beseelten Gäste von Bord verabschieden. Dann: alle Maschinen stop  – fast. Tatsächlich laufen die energieerzeugenden, rußenden Schiffsdiesel während der Liegezeit weiter. Für die Bordelektronik, den Pool und die Kühlung der Speisekammern bis hin zur Eismaschine an der Bar. Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht im Hafen etwa so viel Strom wie eine Kleinstadt. Kann man die AIDA SOL, die gerade in Hamburg festgemacht hat, nicht einfach an die nächste Steckdose anschließen? Man kann.

Vorausgesetzt, es gibt Steckdosen wie diese! Jede einzelne ist etwa so groß wie ein kleines Bullauge: In Hamburg ist heute die europaweit erste, innovative Anlage für Landstrom in Betrieb genommen worden. Direkt am Cruise Center Altona, dem Anleger am Fischmarkt, können Kreuzfahrtschiffe von Land mit Ökostrom versorgt werden. Die vom Technologiekonzern Siemens und der Hamburger Port Authority (HPA) gebaute Landstromanlage stellt für die schwimmenden Hotels je nach der Beschaffenheit ihres Bordnetzes die passende Energie bereit. Die Schiffe können dann die Dieselgeneratoren abschalten. Schadstoffemissionen: null.

 

Die Entwickler haben sich in Shanghai und Los Angeles umgeschaut, bevor die Anlage für Hamburg konzipiert wurde. Die neue Technik nimmt dafür den Strom aus dem Landnetz auf und wandelt ihn so um, dass er im Bordnetz nutzbar ist. Auf Schiffen wird Strom weltweit mit einer Spannung von 6000 bis 10 000 Volt bei einer Frequenz von 50 Hertz oder mit 6600 bis 11 000 Volt bei 60 Hertz bereitgestellt.

Die Hamburger Anlage kostet rund 10 Millionen Euro. Die EU und der Bund beteiligten sich mit 3,5 und 3,7 Millionen Euro.

Für die Versorgung der AIDA SOL von AIDA Cruises wurden heute mehrere Kabel von der Transformatorstation in den Schiffsbauch geleitet. Jedes einzelne mehr als doppelt so dick wie ein Schiffstau. Wichtig ist, dass der Landstrom aus erneuerbaren Energien wie Windkraft oder Solarenergie stammt, weil sonst die angestrebte Entlastung der Umwelt nicht erreicht wird.

Bislang macht nur ein Anbieter mit – Deutschlands größte Kreuzfahrtreederei AIDA Cruises aus Rostock hat die notwendigen Testläufe ermöglicht. Und AIDA SOL ist das einzige Passagierschiff mit entsprechender Zusatzausrüstung, das in diesem Jahr bei sechs Besuchen in der Hansestadt während der Liegezeiten im Hafen Landstrom aus der Mega-Steckdose beziehen wird.

Anderer Reedereien zeigen sich deutlich zögerlicher. Hamburg möchte, mit den Worten des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD), „ zu einem der umweltfreundlichsten Standorte der Kreuzschifffahrt in Europa werden“. Wenn alle mitziehen…